Zum Inhalt springen

Erfassungsmethodik — Vom Workshop zur Interview-Synthese

Der klassische Customer-Journey-Workshop ist ein Sense-Making-Format (funktionsübergreifendes Alignment, politisches Buy-in), kein Erhebungsformat. CJRM als formale Ontologie braucht primär Präzision, Konsistenz und Skalierbarkeit — worin der Workshop strukturell schwach ist. Er neigt zu vorzeitiger Konvergenz: Gruppendynamik glättet Widerspruch weg, bevor er sichtbar wird — im Gegensatz zur CJRM-Trennung von Claim und Evidence.

Stufe 1 — Interview-Protokoll aus der Ontologie ableiten. Kein offenes Gespräch, sondern strukturiertes Laddering entlang der Core Objects: Job → Goal → beobachtete Event-Sequenz → je Event „warum existiert dieser Schritt” → Laddering bis zum Constraint → „was müsste wahr sein, damit das entfällt” → Capability-Lücke. Im Kern JTBD/ODI-Laddering, human- oder agentengeführt.

Stufe 2 — KI-Synthese zu CJRM-Instanzen. Transkript → Actor/Goal/State/Constraint/Event, mit expliziter Claim/Evidence-Trennung. Technisch eine Erweiterung der Analyse bestehender Journey-Dokumentation — vorgezogen auf rohe Interview-Transkripte.

Stufe 3 — Workshop als Validierungs- und Konflikt-Loop. Nicht mehr „Journey gemeinsam entdecken”, sondern gezielt: Stellen mit niedriger Evidence-Dichte, und vor allem Goal conflicts-with Goal zwischen Actor-Perspektiven.

Die Verschiebung von Workshop zu Interview+KI-Synthese ist selbst eine Instanz von „Agency Transfer via Mandate” (siehe Agency Transfer): die knappe Ressource geschulter Facilitator-Zeit wird an einen KI-Agenten delegiert. Der Workshop hat aber einen Teil-Wert (Buy-in, gemeinsame Trägerschaft), der nicht bloß constraint-induced friction ist — deshalb Stufe 3 behalten, nur neu zuschneiden.

© 2026 Thomas Vehmeier · vehmeier digitale strategien ·CJRM und Inhalte dieser Dokumentation:CC BY-NC-ND 4.0 ·Urheberrecht und Nutzung